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Heeresmusikkorps 2 aus Kassel lockte 400 Besucher
TSV machte Lust auf Jubiläumsfeierlichkeiten in 2012
Wenn es bei der Bundeswehr um Sportförderung geht, dann handelt es sich für gewöhnlich um Spitzensportler aus den Leistungskadern, deren hauptsächlicher „Dienst“ in der ermöglichten Konzentration auf Training und Wettkampf besteht. Am Mittwochabend drehte es sich in der Wingeshäuser Schützenhalle im Silbachtal allerdings um die Förderung der Jugendarbeit des TSV 1912 Aue-Wingeshausen e.V., für die das Heeresmusikkorps 2 aus Kassel zu einem seiner regelmäßigen Wohltätigkeitskonzerte, die bisher schon mehr als 2 Millionen Euro eingespielt haben, einmal nach Wittgenstein gekommen war. Die Veranstaltung fungierte dabei quasi als „Einstimmung“ auf das 100-jährige Vereinsbestehen des Sportvereins, das im nächsten Jahr mit verschiedenen Aktivitäten noch weiter gefeiert werden soll. TSV-Vorsitzender Norbert Heier freute sich in seiner kurzen Begrüßung über das sicherlich „für einen Sportverein ungewöhnliche“ Konzert und die damit verbundene Anwesenheit von über 50 der insgesamt 1000 in den bundesweit 18 Korps tätigen Berufsmusikern der Bundeswehr. Auch die „logistische Leistung“ mit dem Aufbau von Bühne und Sitzreihen, deren Elemente teilweise aus dem ganzen Stadtgebiet angefahren worden waren, war ihm ein lobendes Wort an die Vereinsfamilie wert. Der besondere Dank ging natürlich an das aktive TSV-Mitglied Dietmar Beuter, der als Stabshauptmann beim Heeresführungskommando in Koblenz tätig ist und die entsprechenden Kontakte für den Verein hergestellt hatte. Nach der persönlichen Begrüßung seiner Kameradinnen und Kameraden konnte Beuter anschließend noch ein Grußwort von DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger für die etwa 400 Besucherinnen und Besucher verlesen und das Mikrofon an Hauptmann Tobias Terhardt weiterreichen, der das Dirigat des sinfonischen Blasorchesters erst vor wenigen Tagen von Oberstleutnant Reinhard Kiauka übernommen hatte, der zur Ausbildung der afghanischen Militärmusik in Kabul kommandiert wurde. Das Konzertprogramm eröffnet hatte schon vor den einleitenden Worten der Marsch „Große Zeit, neue Zeit“, der angesichts der aktuellen Reformen und insbesondere der Umstellung auf eine Freiwilligenarmee, die momentane Situation der Bundeswehr „trefflich“ beschreibe, wie es Terhardt formulierte. Mit der für sinfonisches Blasorchester transkribierten Klavier-Komposition „Ungarischen Rhapsodie Nr. 2“ aus dem „großen Fundus“ von Franz Liszt stellte das Heeresmusikkorps gleich einmal die Bandbreite seines Repertoires unter Beweis. Weiter ging es getreu dem Titel „Valse Vanite“ mit einem Walser und dem mehr oder weniger eitlen musikalischen Wettkampf zwischen Dirigent, Orchester und Solist Oberfeldwebel Benjamin Karaca mit dem Alt-Saxofon. Mit „The Irish Washerwoman“ zählte auch eine schwungvolle irische Folklore zum Programm, bevor Stabsfeldwebel Reinhard Meissner als Trompetensolist seine „Teufelszunge“ mit mehr als 10 Zungenschlägen pro Sekunde beim gleichnamigen Stück unter Beweis stellen konnte. Anschließend kündigte Tobias Terhardt „Glory of David“ an, einen „Höhepunkt originaler sinfonischer Blasmusik“ an, eine Einschätzung der sich die Zuhörer nur anschließen konnten. Nach einer Stunde Musikgenuss ging es dann mit dem „Graf Zeppelin-Marsch“ in die Pause. Zuvor hatte Tobias Terhardt jedoch auf den Programmpunkt „Wünsch’ Dir was …“ hingewiesen, mit dem auch beim Orchester die „Demokratie Einzug gehalten hat“. Da an deren Ende die Mitbestimmung stehe, durften die Gäste in der Pause am CD-Stand in einer Liste ihren Lieblingsmarsch ankreuzen und für die spätere Aufführung nominieren. Den zweiten Programmteil eröffnete dann zunächst der Marsch „Deutschlands Ruhm“, bevor das „Konzert für Klarinette und Orchester“ von Artie Shaw mit dem Solisten Hauptfeldwebel Christian Schmidt die Gäste in die Welt der Big Band- bzw. Swing-Musik entführte. Anschließend folgte die noch mit einem kleinen „Quiz“ garnierte Auflösung des „Mitbestimmungsexperimentes“. Das Heeresmusikkorps spielte ein paar Takte an und ließ dann das Auditorium den Namen des Marsches erraten. Nach einer falschen Einschätzung wurde mit der korrekten Antwort „Gruß an Kiel“ auch im Publikum musikalische Fachkenntnis unter Beweis gestellt, die mit einer CD belohnt wurde. Mit der eher „traurigen Melodie“ von „The Breeze and I“ und dem Solisten Hauptfeldwebel Dominik Seegel an der Trompete ging es dann langsam ins „furiose Finale“ mit dem „ABBA-Medley“, das vor und während des Stückes für ordentlich Bewegung auf der Bühne und auch einige Perücken und weitere Accessoires im Petto hatte. Nach dem ersten stehenden Applaus, dem noch zwei weitere folgen sollten, konstatierten Dietmar Beuter und Norbert Heier mit dem Dank an die Musiker, darunter übrigens auch zwei Schulpraktikanten, übereinstimmend einen „überragenden Abend“ und ließen gleich mal „demokratisch“ eine zweite Zugabe abstimmen. Dabei gab es zunächst den Orchester-Klassiker „Radetzky-Marsch“ zu hören, bei dem Tobias Terhardt in guter Dirigenten-Manier auch das Publikum mit dirigierte und sich wie den ganzen Abend als humorvoller und würdiger Ersatz für den eigentlichen Chef präsentierte. Der falsch geratene Marsch „Alte Kameraden“ kam dann ebenfalls noch zu seinem Recht, bevor natürlich die Deutsche Nationalhymne den endgültigen Abschluss bildete.

Ein eindrucksvolles Bild boten über 55 Musikerinnen und Musikern des Heeresmusikkorps 2 aus Kassel den etwa 400 Gästen in der Wingeshäuser Schützenhalle.Bericht Siegener Zeitung
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